Darf man über Gott lachen?

log rnzHumor und Religion — passt das zusammen? Satiriker Ralf Kabelka und Clownin Gisela Matthiae beim Peterskirchendialog

Von Denis Schnur  „Sie sind also zum Lachen in die Kirche gekommen?“‚ fragte die Theologin Gisela Matthiae ungläubig. „Machen Sie das immer so?“‚ wollte sie vom überwiegend jungen Publikum wissen, das zum achten Peterskirchendialog gekommen war. „Das ist ungewöhnlich. Normalerweise ist die Stimmung in Kirchen doch nicht so heiter.“ Und Matthiae muss es wissen. Schließlich hat sie nicht nur in Theologie promoviert, sondern ist auch Pfarrerin und vor allem freischaffende Clownin. Ein Widerspruch? Nein, denn für Gisela Matthiae gehört der Humor „einfach zur Religion dazu“.

Dass die Kirchen das nicht immer so sehen, davon konnte der Satiriker Ralf Kabelka berichten. Bekannt geworden als „Dr. Udo Brömme“ der Harald Schmidt-Show, schrieb Kabelka anschließend für Sendungen wie „Was guckst du?“, „Hape trifft“ und „Switch Reloaded“. Mittlerweile ist er beim ZDF für die „Heute-Show“ und das „Neo Magazin Royale“ tätig. Der „Humor-Arbeiter“‚ wie er sich selbst bezeichnet, kam dabei auch schon häufig in Konflikt mit Kirchen und Gläubigen. Etwa als die katholische Kirche über ihren Vertreter im Rundfunkrat des ZDF einen Beitrag über die Bischofskonferenz ‘in der „HeuteShow“ verhindern wollte oder als wütende Leserbriefe als Reaktion auf einen Witz über Margot Käßmanns Alkoholfahrt kamen.

Trotzdem betonte er, wie wichtig Witz und Satire gerade in Religionsfragen seien: „Humor kann den Wahnsinn und die große Scheiße, die in der Welt passieren, erträglich machen.“ Und Wahnsinn brächten gerade die großen Institutionen zur Genüge mit sich: „Die Kirche hält traditionell am Alten fest und steht für viele Widersprüche, die für uns interessant sind.“ Beispiel gefällig? „Wenn die katholische Kirche sagt, Homosexualität sei in Ordnung, wenn sie nicht praktiziert werde, ist das ein gefundenes Fressen für uns“, erklärte der Satiriker und fügte lachend hinzu: „Sexualität, die nicht praktiziert wird, gibt es nur in der Ehe, dachte ich immer.“

Trotz allem Spaß erfüllt die Satire für Kabelka einen Zweck: „Wir haben da schon die naive Vorstellung, dass wir vielleicht etwas verändern können mit dem, was wir tun.“ Unter den vier Millionen Heute-Show-Zuschauem befänden sich viele junge Menschen, die sich vielleicht sonst nicht so sehr für Politik begeisterten. Damit machte er aber auch die Grenzen deutlich, die seine Arbeit in Bezug auf Religion hat: „Wir befassen uns gerne und häufig mit den Amtskirchen, aber eigentlich nie mit re ligiösen Inhalten“, erklärte der Satiriker. „Da fühlen wir uns auch gar nicht dazu berufen.“

Die Inhalte sind stattdessen das Metier von Gisela Matthiae. Ihrer Ansicht nach müssen auch religiöse Aussagen und Vorstellungen immer wieder überprüft und neu verhandelt werden — auch durch -Witz. „Humor bedeutet ja ‚flüssig’ oder ‚im Fluss’ und kann auch tatsächlich helfen, festgefahrene Hierarchien aufzuweichen“‚ so die Clownin. So könne der Witz einerseits vor Fanatismus schützen und bilde andererseits „eine besonders heitere Form der Religionskritik“. Deshalb gebe es für sie auch keine Grenze für den Humor — auch nicht bei Gott selbst: „Wir können ja gar keine Witze über Gott machen, sondern höchstens über Gottesbilder“, erklärte sie. „Wir können uns ihm ja nur mit Menschenwort nähern, und das kann hinterfragt werden. So werden Gottesvorstellungen immer wieder erneuert und verbessert.“ Insgesamt herrschte auf dem Podium also sehr viel Einigkeit: Religion und Humor müssen sich einerseits gegenseitig ertragen und können sich andererseits auch gegenseitig helfen. So wurde bei der Veranstaltung in der Tat auch deutlich mehr gelacht, als es in der Kirche üblich ist.

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