Clowns lachen miteinander, nicht übereinander

Hohenloher Zeitung 18.04.2016

SCHÖNTAL Zwei Theologinnen erklären im Bildungshaus, was Humor mit dem Glauben zu tun haben könnte.
Von unserem Redakteur Henry Doll

Ein Blick sagt manchmal alles, sagt ein Sprichwort; „Ihr glaubt gar nicht, wie stark das ist, wenn man nur ins Publikum blickt mit einer bestimmten Haltung", sagt Gisela Matthiae zu den beiden Kursteilnehmerinnen, die eben vor der Seminargruppe eine kleine Szene vorgespielt haben. Jetzt ist die Szene zu Ende und die beiden Frauen sollen einfach nur ins Publikum schauen und dabei ganz in dem Gefühl sein, das sie eben gespielt haben. Misstrauen zum Beispiel, Freude, Zuversicht, was auch immer.

Praktisches Spiel

Und dieser Blick ist dann urkomisch, weil er einen Schlusspunkt hinter die gerade gespielte Szene setzt. Und komisch soll es sein was die 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Clownerie-Seminar am Wochenende im Bildungshaus Kloster Schöntal zeigen. Von Freitag bis Sonntagmittag drehte sich für sie alles um das Thema Humor, Clownerie - und was das mit dem Glauben zu tun haben könnte. Dabei blieb es nicht bei der grauen Theorie, sondern es wurde praktisch gespielt. Und Farbe brachten die roten Clownsnasen und Kostüme ins Spiel. „Wir nehmen viele Elemente des Improvisaüonstheaters", erklärt Eisbeth Wieland-Sauter, die zusammen mit Gisela Matthiae das Clownerie-Seminar leitet. Es gilt als Einstieg, „um selber zu gucken, wie viel Lust die Teilnehmer haben, etwas auszuprobieren" sagt Elsheth Wieland-Sauter. Und in der Tat, ein bisschen Mut gehört schon dazu, sich zu öffnen, Gefühle nicht nur vorzugaukeln, sondern echt zu empfinden und so glaubhaft auf der Bühne zu spielen. „Das Wort Tricks gibt es bei uns nicht. Wir versuchen, authentisch zu sein", erklärt Co~Referentin Wieland-Sauter. Warum ist das so schwer? Nun, die Deutschen fahren bestenfalls mit halber Kraft, wenn es darum geht, Gefühle zuzulassen und zu zeigen, sagt Gisela Matthiae. Komisch oder anrührend sei ein Clown nun wenn er wisse, welche Bandbreite an Gefühlen es gebe und wie sich zum Beispiel Freude anfühlt und wie sie aussehen kann. Die promovierte evangelische Theologie hat ein Buch über Clownerie geschrieben. Darin schlägt sie den Bogen zum Glauben. Und damit scheint ein Clown-Seminar in Klostor Schöntal richtig platziert. Es ist bereits das Fünfte und eine Kooperation zwischen Katholischer Erwachsenenbildung und den Evangelischen Frauen in Württemberg.

Es hat ein bisschen gedauert, bis klar war, dass die Presse einen Blick in den Seminarraum werfen darf. Es gehe um den Schutz der Seminarteilnehmer, betont Gisela Matthiae. Denn die sollen sich öffnen können, sich zeigen, ganz ohne Angst.

Szenen

Gespielt wird beispielsweise in Zweiergruppen, Ein Thema ist Begegnungen. Wie reagieren zwei Clowns, die sich treffen? Der eine hat vielleicht ein Problem. Rückenschmerzen zum Beispiel. Wie macht er dem Partner wortlos klar, dass er ihm helfen soll? Eine typische clownische Szene ist auch der nicht enden wollende Abschied, erklärt Gisela Matthiae, Immer wieder fallen sich die Clowns Abschied nehmend in die Arme. Ein Klassiker.
Ein Link zum Glauben besteht für die beiden Keferentinnen darin, dass sie fest davon überzeugt sind, dass auch die Bibel und speziell Jesus Humor haben. Humor bewahre Glauben davor, fanatisch zu werden. Als ein Beispiel für clownische Elemente in der Bibel nennt Gisela Matthiae das Bibelwort, wonach die Letzten die Ersten sein werden. Clowns seien oft die Letzten, die Verlierer, die Looser. Aber sie sind optimistisch. Wie Gläubige, Sie lachen miteinander, nicht übereinander. Die clownische Umsetzung dieses Bibelwortes könnte so aussehen: Clowns streiten sich, wer in der Gruppe ganz vorne stehen darf. Der, der ganz hinten steht, hat plötzlich eine Idee. Er dreht sich um 180 Grad und steht, aus seiner Sicht, vorne.

Gisela Matthiae ist promovierte evangelische Theologin und Clownin. Von ihr stammt das Buch:
Wo der Glaube ist, ist auch Lachen - Mit Clownerie zur Glaubensfreude.
Kreuz Verlag, 2013.
Elsbeth Wieland-Sauter ist Theologin und Religionspädagogin und ließ sich von Dr. Gisela Matthiae zur Clownin ausbilden. hed


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