Mit clowneskem Blick die Wirklichkeit wahrnehmen

Knordenarlshagen (rn). Die Standesabzeichen hingen um den Hals, saßen auf dem Kinn oder standen, gehalten von einem dünnen Gummiband, auf dem Kopf. Dann zogen alle die rote Plastiknase ins Gesicht – und 15 Clowngestalten waren geboren.

 Es sind die Teilnehmenden der Fortbildung für Menschen, die das clowneske Stolpern für ihre Arbeit entdecken wollen: „Clownerie in Kirchen und Gemeinde“. In ihren neuen Rollen ist alles etwas anders: der Blick, der Gang, die Haltung, die Gesten. Die eigene Persönlichkeit erfährt mithilfe der roten Nase ein großes Spektrum an Entfaltungsmöglichkeiten. (…) Und dann treten die Clowns auf und auch die Clowninnen haben ihren Auftritt. Ein Mann mit dickem Bauch tritt in die Mitte. Er, der Taxifahrer und sie, die Concierge fahren in einem Auto. Bald geht es links scharf um die Kurve, bald rechts. Seitenblick und unverblümter Blick ins Publikum – ein unmöglicher Fahrgast! (…) Mit der typischen clownesken Übertreibung, dem kleinen Überschuss an Witz erscheint alles lustig und allzu-menschlich zugleich.

„Darin gleicht das Clownspiel den biblischen Geschichten“, sagt die Leiterin des Kurses Dr. Gisela Matthiae. (…) Biblische Helden sind oft komische Helden und Gottes Geschichten mit uns Menschen stehen oft quer zu unseren Alltagserfahrungen. Die Unbedeutenden gewinnen an Wichtigkeit. „Clowns finden ungewöhnliche Lösungen für jede Situation und verlieren bei allem nie die Hoffnung“, so die Theologin und Clownin aus Gelnhausen.

Jeder Fortbildungstag beginnt mit den Aufzeichnungen im Lerntagebuch und mit einer Andacht. So wird das Persönliche und das Biblische zu Beginn des Tages miteinander verbunden. Dann folgen Bewegungsübungen, damit die Rolle in den Körper schlüpft. Übungsspiele und Rollenentwicklung im szenischen Spiel schließen sich an.
Am Ende der Fortbildung im Februar 2009 steht die Erarbeitung eines eigenen Stückes, das die Teilnehmenden in ihrem jeweiligen Berufsfeld aufführen. (…)

Rainer Neumann

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