Mal keine gute Figur abgeben

internClowneskes Staunen für sich und die Arbeit entdecken - Artikel über Gisela Matthiae im Magazin "Evangelische Kirche intern"

Gisela Matthiae ist noch ganz angefüllt mit den Eindrücken der letzten Tage. Die 50-Jährige kommt gerade aus Italien. Eine Woche hat sie dort mit ihren 17 Kursteilnehmerinnen und
–teilnehmern gespielt, gelacht, geklatscht. Die Woche in Italien ist Teil einer Langzeitfortbildung zu Clown oder Clownin, die Pfarrerin und Clownin Gisela Matthiae für kirchliche Mitarbeitende anbietet. „Clownerie ist ein Spiel mit sich selbst, den eigenen Mustern und Rollen. Es ist ein Spiel mit den Anderen, ihren Launen und Lauten und mit den Verhältnissen mit denen wir leben“, beschreibt sie ihre
Arbeit und ihre Motivation.

Die Pfarrerin aus Württemberg war 31 Jahre alt und in einer Gemeinde tätig, als sie die Clownerie für sich entdeckte.
In einem Auslandsjahr in den USA hatte sie dann ihr „Erweckungserlebnis“, erzählt sie. „Dort gibt es an der Universität sogar ein Studium, das sich „Clowning Ministry“ nennt“. Eher zufällig wurde sie von anderen Studenten dazu überredet, anlässlich einer Geburtstagsfeier ins Clownskostüm zu steigen und spontan „zu spielen“. In Amerika gäbe es viele sogenannte „Holy Groups“, erzählt Matthiae weiter. „Das sind Menschen, die ins Clownskostüm steigen und in Gottesdiensten, Krankenhäusern und
bei Gemeindefesten auftreten.“

Zurück in Deutschland machte sie eine Clownausbildung und arbeitete später neun Jahre als Studienleiterin in Gelnhausen. Heute ist Gisela Matthiae selbstständig und hauptberuflich als Clownin und Theaterpädagogin tätig. Als solche bietet sie Langzeitfortbildungen und Workshops zur Clownerie und Körpertheater an. Dieses Angebot richtete sich sowohl an hauptamtliche als auch ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen kirchlichen
Arbeitsfeldern – vom Diakon über Pfarrerinnen und Pfarrer bis zur Erzieherin, Kursleiter und Kirchenvorständen.

Dabei hat sie im Laufe der Zeit auch andere Figuren für ihre Stücke entwickelt. „Es geht bei all dem um die besondere Art der Kommunikation“, sagt sie. „Die Clownerie eröffnet mehr neue Möglichkeiten in Kontakt mit anderen
Menschen und Situationen zu kommen, als im normalen Alltag“, erklärt Matthiae. Sie ist überzeugt von ihrem Konzept und findet es immer wieder sehr motivierend, bei anderen Menschen die Spielfreude zu wecken. Was vielen hilft: Sie müssen in den Fortbildungen von Gisela Matthiae
ausdrücklich keine gute Figur abgeben. „Es geht darum, zu lernen, wie man auch ohne Kostüm die Mittel der Clownerie in die eigene Arbeit integrieren kann, gelassener sich selbst und anderen gegenüber zu werden, mehr Gefühle zu zeigen und auch kreativer mit Konflikten umzugehen“, erklärt Gisela Matthiae.

PDF Artikel des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt am Main (Seite 4)

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