"Ecclesia semper raffinanda"

3012 roesrathMit Frau Seibold auf der Suche nach Gott „Ohne uns Frauen in der Kirche könnten die den Laden dichtmachen." Adele Seibold alias Dr. Gisela Matthiae, Theologin und Clownin, macht den rund 80 Besuchern ihres Solokabaretts schnell klar, auf welcher Seite sie steht. Die Rolle der Frauen in der Kirche beschränkt sich auf das Ausüben verschiedener Freiwilligendienste und Ehrenämter, während die Männer Karriere machen.

Jedoch funktioniert das ganze System nur mit den Frauen; ohne sie läuft nichts. 30% Frauen gibt es in den Gremien der Kirche, gefühlt die absolute Mehrheit. Dabei ist der Mann doch eigentlich mal eine Frau gewesen. Zuerst war schließlich Eva da. Aus dem Rest ist Adam entstanden. Adam und Eva haben allerdings wild und ungezähmt im Paradies gelebt, was der Kirche nicht gefallen hat und sie flogen raus. Der Rausschmiss entpuppt sich als Befreiungsschlag. Mit Kleidern und Weisheit gesegnet treten die Frauen ihren Weg ins Leben an und präsentieren sich in großer Vielfalt und zu allem fähig.

Adele Seibold, einfache schwäbische Gemeindefrau, auf der Suche nach ihrer Identität und ihrer Rolle in der Kirche, ist eine von ihnen: sie strickt Socken für den Basar, backt Kuchen und organisiert eine kirchliche Sport- und Fitnessgruppe. Das Ergebnis kann sich sehen lassen; die ganze Gemeinde läuft auf selbstgestrickten Socken rum. Vom selbstgebackenen Kuchen kauft sie sich selber ein Stück und protestantische Muskelentspannung in der Kirche bedeuten „Demut und Rechtfertigung". Macht man diese Übungen, kann man übers Wasser gehen. Dafür braucht man einen starken Glauben. Und den kriegt man im Gottesdienst. Doch zu viel Frausein ist oft nicht gewünscht, denn Kirche und Gesellschaft fühlen sich bedroht.

Also heißt es sich die passende Rolle auszusuchen und sich an Gott zu orientieren. „Wer ist denn wem sein Ebenbild? Gleiche ich Gott oder gleicht er mir?" Mit Hilfe ihres Handspiegels stellt Adele Seibold beim Gang durch die Zuschauerreihen fest, dass es jede Menge Gottes Ebenbilder gibt; man muss den Leuten nur den Spiegel vorhalten. Dann strahlt der Glanz Gottes aus ihnen. Innerlich so gestärkt verlassen die Besucher zufrieden und gutgestimmt die Kirche, fest davon überzeugt, zu allem fähig zu sein.

Originalartikel im Rundblick der Stadt Rösrath

zurück zur Übersicht