Als der Pfarrer zum Osterfest noch Witze predigte

mainpostLustige Geschichten, Lügen und auch Zoten: Vor rund 200 Jahren verschwand der alte christliche Brauch des Osterlachens aus den Kirchen Den Tod auslachen: Das Osterlachen (risus paschalis) ist ein altes christliches Ritual. „Damit feierte man einst die Freude über die Auferstehung und den Sieg des Lebens über den Tod“, sagt Gisela Matthiae.

Lustige Geschichten, Lügen und auch Zoten: Vor rund 200 Jahren verschwand der alte christliche Brauch des Osterlachens aus den Kirchen Den Tod auslachen: Das Osterlachen (risus paschalis) ist ein altes christliches Ritual. „Damit feierte man einst die Freude über die Auferstehung und den Sieg des Lebens über den Tod“, sagt Gisela Matthiae.

Sie kennt sich aus mit dem Lachen: Die Theologin ist gleichzeitig Clownin und macht in ihren Ausbildungsgängen zur „Clownerie in Kirchen und Gemeinden“ regelmäßig auf den Brauch aufmerksam.

Belegt ist das Osterlachen bereits im 9. Jahrhundert, weiß Matthiae. Um die Gemeinde am Ostermorgen zum Lachen zu bringen, wurden vor Jahrhunderten aber nicht nur nette Witze und lustige Geschichten erzählt, sondern auch Lügengeschichten und Zoten. „Das mimische Nachahmen von Tieren, die Darstellung geschlechtlicher Lust bis hin zum Onanieren und sogar die Nachahmung des Gebärens waren Ausdruck vitaler Lebensfreude“, schreibt Matthiae in ihrem Buch „Wo der Glaube ist, da ist auch Lachen“. Die Praxis des 14. und 15. Jahrhunderts empfanden die Reformatoren aber schließlich als zu derb. Sie forderten mehr Ernst in den Gottesdiensten ...

... Clownin Matthiae geht es am Ostermorgen nicht um Gags, sondern um eine tiefe Freude und Zuversicht, um Vertrauen ins Leben und in die Liebe. Grundlage für diese Freude ist für sie die Apostelgeschichte 2, das Pfingstwunder: Darin wird erzählt, wie sich das verunsicherte und versprengte Häuflein Jünger nach Jesu Tod und Auferstehung getroffen hat, wie der Heilige Geist über sie kam und sie sich dann trotz verschiedener Sprachen und Dialekte verstanden.

„In der Bibel in gerechter Sprache steht: Alte und Junge, Frauen und Männern brachen das Brot, teilten es und freuten sich“, sagt Matthiae. „Gelebte Vielfalt, teilen, essen, Freude und Lachen gehören für mich zusammen. Das ist das Ideal christlicher Gemeinschaft, dem man nicht nur am Ostermorgen, sondern an jedem Sonntag nacheifern kann.“

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